Trainingstagebuch

Von schlappen Beinen, der Rückkehr der Waschbären & anderen Dingen

Alter Verwalter, das Training in der letzten Woche fing direkt mit echt schlappen Beinen an und wurde selbst im zweiten Anlauf nicht besser. Aber von vorn. Der Dienstag hielt wie üblich die Runde von Charlottenburg über Spandau und Reinickendorf bereit. Als ich dazu aufbrach, ärgerte ich mich mit ziemlich lahmen Beinen herum, irgendwie war da kein Schwung in der Sache.

Der Grund dafür war wohl die Nacht zuvor, in der ich – aus welchen Gründen auch immer – keinen richtigen Schlaf gefunden hatte. Ich lag eigentlich mehr wach herum und habe dann nur noch bis halb eins gewartet, wo ich dann endlich aufstehen »durfte«. Na ja, irgendwas ist immer und auch wenn der Schlaf fehlte, wird nicht gekniffen und so machte ich mich auf den Weg. Nach den ersten drei oder vier Kilometern war ich dann auch ganz vernünftig im Trott und kam stabil voran.

Bei Kilometer 14 gab es dann tatsächlich eine erwähnenswerte Begegnung. Am Wegesrand stand ein kleiner Dachs, ich schätze mal, nicht älter als ein Jahr, also bei weitem noch kein ausgewachsenes Tier. Das süße Kerlchen war enorm neugierig und schaute, was denn da für ein Licht näherkommt. Ich blieb stehen und holte ganz vorsichtig das Smartphone hervor. Leider deutete er diese Bewegung nicht als Beginn einer sagenhaften Modelkarriere, sondern offenbar als Gefahr, denn daraufhin machte er sich aus dem Staub, noch bevor ich ihn knipsen konnte.

Da solche Begegnungen immer ein wenig Aufwind geben, schließlich sind sie ganz und gar nicht alltäglich, war der Rest der Strecke dann auch ohne Krafteinbrüche oder ähnliches im Handumdrehen abgespult.

Huch, noch einmal? 🤯

Für gewöhnlich sind solche Tage ja eher einmalige Dinge, soll heißen, läuft der Dienstag schlecht, geht es am Donnerstag rund. Das hat jedoch diesmal nicht geklappt, denn zum einen war auch die Nacht zum Donnerstag eher schlaflos und zum anderen fing der Donnerstag dann auch genauso schlapp an wie der Dienstag.

Diesmal wollte es auch erst ab etwa Kilometer 10 etwas flüssiger laufen. Flüssiger im Sinne von »linkes Bein vor, rechtes Bein vor, nicht nachdenken und immer weiter so«. Besser als nichts, aber auch nicht gerade »the yellow from the egg«, wie Jido Fister Filly gesagt hätte. Aber auch der Donnerstag hielt dann wieder tolle Momente bereit, denn wieder gab es bei Kilometer 14 eine Begegnung. Diesmal nicht mit dem kleinen Dachs, sondern mit ein paar Waschbären.

Juhuuu, endlich sind die Waschbären wieder da! Die haben nämlich in den letzten Wochen Winterruhe gehalten und sich demzufolge nicht sehen lassen. Aber als mich von einem Baum gleich 4 Augenpaare anleuchteten, war schnell klar, dass die Winterruhe ein Ende hat. Und nur wenige Meter weiter saß dann ein kleiner Räuber am Wegesrand, suchte sein Heil dann aber, ebenso wie der Dachs zwei Tage zuvor, lieber in der Flucht. Also wieder nichts mit einem schönen Foto.

Die Tücken der Technik

Bei Kilometer 16 dann, der Fauxpas. Da es kalt geworden war, im Verlauf meines Laufes fielen die Temperaturen von 6 auch nunmehr nur noch 1 Grad, hielt ich kurz an, um mir Handschuhe anzuziehen. Anschließend lief ich weiter und wunderte mich dann an der 19-km-Marke, dass die Uhr den Kilometer nicht signalisierte. Das klappt nämlich immer ziemlich exakt an der gleichen Stelle. Ich schaute auf die Uhr und sah sie bei 16,00 Kilometer stehen. Verdammt, da hatte ich wohl beim Anziehen der Handschuhe auf Stopp gedrückt.

Zum Glück waren es glatte 3 Kilometer, die konnte ich dann nachtragen. Und für die Zeit habe ich dann einfach das Mittel aus Kilometer 16 und Kilometer 20 (also Kilometer 17 in der Aufzeichnung) genommen. So passte wenigstens das. Wo kämen wir auch hin, wenn am Ende zu wenig Kilometer im Protokoll stünden, nicht wahr? 😉

Langes Wochenende

Am Freitag war der Internationale Frauentag, was in Berlin bedeutet, es ist frei. Also begann das Wochenendprogramm einen Tag früher. Ich machte mich also wie sonst erst am Samstag gemeinsam mit meiner Frau auf eine kleine Runde. Zur Abwechslung mal erst kurz nach sechs Uhr, denn wir hatten einfach mal ausgeschlafen. Das hat nämlich bei mir, anders als die Nächte zu Dienstag und Donnerstag, richtig gut geklappt.

Diese »leichte Verspätung« hatte dann aber einen ganz brauchbaren Vorteil. Es war nämlich echt kalt, gefühlt wie –6 °C, und als netter Ausgleich für die Kälte zeigte sich bei wolkenlosem Himmel ein herrlicher Sonnenaufgang. Und kalt war es wirklich, gerade auf den Rieselfeldern Karolinenhöhe, wo ein zwar nur schwacher, aber dafür sehr feuchter und damit richtig kalter Wind wehte. Das war dann sogar noch ein bisschen unangenehmer als noch unten an der Havel, wo es ja naturgemäß recht feucht und damit immer ein Stückchen kälter ist.

Ab durch die Schweine!

Der Samstag hielt dann wieder mal ein denkwürdiges Ereignis für uns bereit. Wieder startete ich gemeinsam mit meiner Frau und wir wollten Richtung Seeburg laufen. Da wir ein wenig später losgelaufen waren, ging gerade die Sonne auf, weshalb wir schon auf dem Hinweg einen Abstecher auf die Haveldüne machten, um von dort oben den Sonnenaufgang zu sehen. Wir schinderten die Treppe hinauf und folgten dann einem kleinen Pfad in Richtung Aussichtspunkt. Und plötzlich geschah es.

Links und rechts von uns raschelte es im Gebüsch. Und das nicht wenig. Dazu gesellte sich dann laut hörbares Getrappel und gerade als wir durch eine Engstelle liefen, schaute mich plötzlich ein großes Wildschwein an. Ein kapitaler Bursche und daneben standen noch zwei Bachen, die auch nicht ohne waren. Nun waren wir genau im Fluchtweg der drei, denn die standen quasi direkt am Abgrund.

Borstie war dann mit der Gesamtsituation ziemlich unzufrieden und brachte das durch ein lautes Grunzen zum Ausdruck. Wir machten also kurz ein paar schnellere Schritte und als wir gute 5 Meter weiter waren, hatte uns Borstie schon wieder komplett vergessen und machte mit den Dingen weiter, die er vorher auch schon getan hatte. Wildschweindinge eben.

Fieses Pflaster

Tja, und wir konnten dann tatsächlich einen tollen Sonnenaufgang sehen, bevor wir dann planmäßig nach Seeburg weiterliefen, wo wir im Wald gleich noch ein paar neue Wege ausprobierten. Und zwar welche, die zur Abwechslung mal nicht direkt an der Vorderseite der Havellandhalle entlang führen. Dort ist nämlich ein ziemlich fieses Pflaster auf dem Gehweg. Uraltes Hundeknochenpflaster aka Doppel-T-Verbundpflaster, das durch diverse Wurzeln stark aufgebrochen ist. Darauf zu laufen ist eine echte Qual, weshalb alternative Wege herzlich willkommen sind.

Tatsächlich stelle ich immer wieder fest, dass dieses Pflaster eigentlich in jeder Situation echt fies ist. Oft findet man es ja auch auf Radwegen. Und wenn man so etwas vorfindet, weiß man, dass der Weg von jemandem geplant wurde, der ihn selbst nie benutzen wird. Meist sind es Menschen, die jeden Meter mit dem Auto fahren. Und für das Auto werden überall feine, glatte Asphaltpisten gebaut. Und die schmalen Wege für den »Pöbel« werden dann mit unbequemen Pflastersteinen zugenagelt, weil »man darf ja nicht zu viele Flächen versiegeln, da muss Wasser versickern können«. Zum Kotzen, diese Ungleichbehandlung. Aber ja, das ist ein ganz anderes Thema, ich schweife ab.

Allein und zu zweit

Kommen wir also zum Sonntag. Der Plan war mal wieder ein »Gemischtes Doppel«, wobei ich für mich die Route über den Mauerweg avisierte. Ich startete mit einer eher mittelmäßig flotten Pace im Bereich von knapp über 5:30 min/km und lief quasi mal wieder im Sonnenaufgang Richtung Gatow und Kladow. Unterwegs zeigte sich, dass bald Halbmarathon ist, denn in den vier bis sechs Wochen vor dem Halbmarathon ist sonntags immer jede Menge Bewegung zu sehen. Ständig kommen einem, selbst zu früher Stunde, Läufer entgegen. Oder man überholt sich, was auch immer.

Aber letztlich ist es ja auch schön, hin und wieder anderen Läufern zu begegnen. So hielt sich das auch, bis ich dann in Groß-Glienicke meine Frau einsammelte. Als wir dann über die Landstraße 40 Richtung Seeburg liefen, kamen uns auch deutlich mehr Läufer entgegen, als sonst auf dieser Strecke üblich.

Tempomäßig machten wir vergleichsweise wenig Dampf, denn es ging ein ziemlich starker Wind, der uns zunächst schräg von vorn und später direkt von vorn nervte. Der Berg des Flachländers, sozusagen. Das passte aber gut, denn bei dieser Variante, also halb allein und halb zu zweit, liegen ja immer etwa 45 bis 60 Sekunden zwischen der Pace im ersten und der im zweiten Teil.

Und damit war es dann auch wieder um die Trainingswoche geschehen. Diese Woche war ja deutlich mehr los, als die Woche zuvor. Jetzt sind es noch 160 Tage bis zum Mauerweglauf, also muss ich wohl langsam mal schauen, wann ich die langen Läufe mache. Außerdem wollte ich auch noch ein paar mal reines Bahntraining machen, auch das will noch geplant werden. Es wird also langsam konkret.

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