Es war mal wieder Marathonzeit in der großen Stadt
Letztes Wochenende stand mal wieder der BMW Berlin Marathon an. Zum 52. Mal insgesamt fand er statt und selbstredend habe ich es mir nicht nehmen lassen, da mitzulaufen. Für mich war es dabei die 7. Teilnahme. Also noch 3 weitere Teilnahmen und ich werde im Jubilee-Club aufgenommen. Wer da drin ist, hat lebenslanges Startrecht, also einen garantierten Startplatz. Den habe ich zwar ohnehin, nämlich durch meine Mitgliedschaft im SCC Berlin, aber irgendwie ist es ja auch ganz cool, bei so einem großen Event quasi zum Stammteilnehmerkreis zu gehören.
Der Marathon kam dabei irgendwie „ganz plötzlich“, zumindest für mich. Denn einerseits war ich aus Zeitgründen nicht bei der Generalprobe dabei, die vier Wochen vorher stattfindet und einem den Marathon in Erinnerung ruft und andererseits gab es neben Urlaub auch allerlei Termine. Und in diesem Gemenge ist das dann untergegangen und ganz plötzlich hieß es: „Nächsten Sonntag ist Marathon!“. Huch!
Also habe ich auf den letzten Metern noch fix eine „Pseudo-Taperingphase“ angesetzt. Soll heißen, die beiden Tage vor dem Marathon bin ich anstelle der üblichen zehn Meilen einfach nur zehn Kilometer gelaufen. 😉
Der Wetterbericht meinte es schon im Vorfeld echt gut mit den Läufern. Satte 21 Grad waren angesagt, dabei sollte jede Menge Sonnenschein für gutes Licht in den Straßen der großen Stadt sorgen. Rund um die Startzeiten der einzelnen Wellen sollte es dann noch etwas kühler sein, aber nicht so kalt, dass es unangenehm wird. Somit also perfekte Bedingungen, die dann tatsächlich auch genau so eintraten. Manchmal fetzt es schon, wenn die Wetterfrösche recht haben.
Bevor es aber zum Rennen gehen konnte, stand die Abholung der Startnummer auf dem Programm. Das fand ich ja im vergangene Jahr gut, denn da war das in der Messe Berlin, also quasi einen Steinwurf von mir entfernt. Diesmal war es aber wieder auf dem Flughafen Tempelhof, also irgendwie eine ganze Weltreise weit weg. Allerdings hatte ich einen Zeitslot gebucht – ich war dabei der Meinung, das muss jeder tun – und so ging es dann wenigstens auf der Expo selbst sehr zügig. Auf der Seite derer ohne Slot bildete sich eine gefühlt unendlich lange Schlange, während ich mit Slot nur etwa 3 Minuten warten musste, bis ich das Armband, das mich als Teilnehmer auswies, angelegt hatte.
Das war übrigens noch ein interessantes Ding, denn zum Abend hin fiel, so konnte man Social Media entnehmen, der Strom für die „Armbandanlegemaschinen“ aus. Die Rennleitung hat daraufhin beschlossen, dass die Startnummer ausreichend ist, um das Eventgelände betreten zu dürfen. Normalerweise kommt man da ja nur mit Armband drauf. Schade war es nur für die Sammler, die sich diese Dinger aufheben und hier vielleicht auch den ersten Marathon liefen. Mich selbst hätte es eher weniger gestört, denn ich werfe diese Dinger zumeist noch auf dem Eventgelände in den Müll.
Auf der Expo habe ich mich dann, wie eigentlich immer, noch fix mit neuen Trikots eingedeckt. Immerhin bekommt man die selten so preiswert. Obendrein muss man festhalten, dass die in diesem Jahr auch zum Teil echt toll aussehen. Also wurde locker ein zweieinhalbfaches Startgeld bei Adidas gelassen. Dafür sind wir dann aber auch direkt von dort wieder heim und haben gar nicht erst bei den anderen Ausstellern geschaut.
Am Marathonsonntag traf dann, wie schon erwähnt, das tolle Wetter ein. Ich war gute 90 Minuten vor meinem Start am Hauptbahnhof, denn die Erfahrung wusste, dass es auf dem Eventgelände alles enorm lange dauert. Aber hey, in diesem Jahr funktionierte es irgendwie deutlich besser. Wo sonst die Läuferströme in Flaschenhälse gingen und es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis man auch nur in die Nähe der Startblöcke kam, ging es dieses Jahr richtig gut und flott.

Und so war ich dann etwa 50 Minuten vor dem Startzeitpunkt im Block, der aber auch schon kurz darauf langsam nach vorn gezogen wurde. Eine Sache, die sonst erst viel später geschieht. Und so standen wir quasi schon am Startbogen, gerade als der letzte Läufer der vorherigen Welle durch war. Ich selbst stand dieses Mal damit direkt unter dem Startbogen, was ich bisher auch noch nicht hatte. Danach folgte dann der übliche Motivationsklimbim mit viel Musik, viel Hopsen und allerlei Armgeschwenke, bevor es dann endlich losging.
Beim Rennen selbst klappte es dieses Jahr auch enorm gut. Ich hatte nur sehr wenige Momente, in denen jemand anderes wirklich im Weg war. Normalerweise kennt man es so, dass viele Neulinge einfach ihre Zeit für fünf oder zehn Kilometer nehmen, hochrechnen und dann als Zielzeit angeben. Und damit in Startblock D oder E landen. Womit sie dann allen anderen mächtig im Weg stehen, einfach weil sie sehr langsam unterwegs sind. Dieses Jahr passte die Größe der Startblöcke und das Timing der Wellen so gut, dass es kaum Gedränge gab. Deshalb kam ich dann auch richtig gut in den Flow.
Grundsätzlich hatte ich dabei kein echtes Ziel. Irgendwas zwischen 4,5 und 5 Stunden waren avisiert, also kein Ballern, sondern ein ganz gemütlicher Sonntagslauf. Im Hinterkopf hatte ich dabei die 3×10-Strategie. Also die ersten zehn Meilen so laufen, dass man sich richtig gut fühlt, die zweiten zehn Meilen wie im Training und die letzten zehn Kilometer wird das rausgeholt, was noch drin ist. Nur dass ich den letzten Teil nicht wirklich ernst zu nutzen gedachte (und es auch nicht getan habe).

An der Strecke war dabei absolut geniale Stimmung, teilweise wurde echte Abrisspartys gefeiert. Bands ohne Ende, Trommler ohne Ende, jede Menge DJs mit riesigen Anlagen und jede Menge Jubel. Und dieses Gesamtpaket aus freier Strecke, tollem Wetter und noch tollerer Stimmung sorgte dafür, dass ich vergleichsweise zügig unterwegs war. Die ersten 30 bis 35 Kilometer hatte ich dabei immer wieder die 3:45 Pacer um mich herum, was ja auf eine gute Zielzeit hindeutete. Da hatte ich das aber noch gar nicht so richtig wahrgenommen. erst bei Kilometer 35, als ich auf die Uhr schaute und sah, dass gerade mal etwas über drei Stunden herum waren und nur noch sieben Kilometer vor mir lagen, realisierte ich, dass es wohl wieder Sub4 wird.
Und da musste ich mich gar nicht sonderlich anstrengen, denn es war tatsächlich noch mehr als genug Zeit. Ich bin also weiter in meinem aktuellen Trott und überquerte nach 3 Stunden und 49 Minuten die Ziellinie. Damit hatte ich dann auch meine zweitbeste Marathonzeit überhaupt hingelegt. und das mehr oder weniger aus Versehen, denn geplant war ja deutlich mehr.
Da sieht man aber, wie es vorantreibt, wenn wirklich alles zusammenpasst. Und genau das war dieses Jahr der Fall. Und als Belohnung gab es dann auch noch eine echt schöne Medaille.
Nur eins war dann doch noch ärgerlich. Kaum dass ich vom Eventgelände runter und schon fast im Zug auf Heimreise saß, kam via Whatsapp die Info, dass mein Behördenleiter höchstselbst Medaillen ausgegeben hat. Das muss ich wohl mächtig übersehen haben. Und dann war für später noch ein Gruppenfoto der Teilnehmer der Berliner Feuerwehr geplant. Tja, auch das fiel damit für mich aus. Schade eigentlich.
Und bevor ich es vergesse: Natürlich läuft mein Streak noch, der Marathon war dabei der 240. Tag in Folge. 🙂



