Gesundheit,  Trainingstagebuch

Und dann kam es plötzlich alles ganz anders, oder: Da muss der Streak wohl neu begonnen werden

tl;dr: Ich hatte einen Glatteisunfall mit dem Fahrrad, weshalb ich mal wieder an Krücken laufen muss und der Runstreak nach 382 Tagen gestorben ist. Jetzt ist Genesung angesagt, wobei ich hoffe, dass es nicht allzu lange dauert, und danach geht es wieder von vorn los.

Zum Glück bin ich es gewohnt, dass es zuweilen auch mal Rückschläge gibt und die Gesundheit meinen Plänen so richtig in den Nacken schlägt. So auch dieses Mal und die schlechte Nachricht gleich zuerst: Der Runstreak ist vorbei. Finito, Geschichte. Solch ein Ärger aber auch. Nur eben nicht zu ändern. Und bevor ich einen neuen beginnen kann, werden noch ein paar Tage ins Land gehen.

Aber von vorn. Zuerst kam der Wintereinbruch. Der störte mich im Grunde wenig, denn meine Laufstrecken waren zwar nicht geräumt, aber irgendwie kam ich trotzdem richtig gut durch die Läufe. Außerdem wäre es mal etwas ganz Neues, wenn in Berlin abseits der Fahrbahnen Winterdienst existieren würde. Hier in der Stadt wird das Auto gepampert wo es nur geht, alle anderen Verkehrsträger hingegen sind lediglich eine ärgerliche Randerscheinung.

Für den Weg ins Büro habe ich deshalb auch meine Schneefräse. Ein E-Bike, das mit 65er Bereifung und Spikes ausgestattet ist. Damit kam ich schon durch so manchen Winter, und selbst als ich für den Rückweg noch die 50km lange Strecke über Potsdam genommen hatte, war das mit diesem Bike selbst in tiefstem Schneetreiben kein Problem.

Mit genau diesem Bike radelte ich auch Anfang des Jahres heimwärts. Ein Teil der Strecke hat zwar einen Radweg, aber der war, wie sollte es auch anders sein, nicht geräumt. Der Gehweg war ganz grob von losem Schnee befreit, kommt aber definitiv nicht infrage, denn hier ist das Radeln zu Recht nicht erlaubt. Also ab auf die geräumte Fahrbahn. Aber nachdem mich dann irgendwo der zweite LKW beim Überholen fast gekillt hatte – die Fahrbahnen waren durch den Schnee eingeengt, aber man muss natürlich trotzdem bei Gegenverkehr überholen, bin ich doch auf den Radweg.

Das lag etwa 20 bis 30 cm hoch Schnee. Der, der von allein dorthin gefallen war, und dann noch der, der von der Fahrbahn dorthin gepflügt worden war. Die Schneefräse hat damit kein Problem, also lieber dort entlang eiern, als totgefahren zu werden. Die Wahl war recht einfach.

Bis dann ein großer Stein oder Eisklumpen unter dem Schnee lag und ich voll drauffuhr. Das Vorderrad machte einen Sprung und der Rest war dann eine Kombination aus 24 kg Fahrradgewicht, Geschwindigkeit und Glätte. Ich schlingerte in Richtung Gehweg – zum Glück nicht zur Fahrbahn! – überquerte den Gehweg und schlug in einem Zaun ein. Prallte dort ab, landete irgendwie und schlug mit dem Brustkorb auf dem Lenker auf, während mir der Sattel mit dem Schwung der ganzen 24 kg Fahrradgewicht zwischen die Beine krachte. 😱

Ich rappelte mich auf, kontrollierte kurz alle betroffenen Körperregionen und stellte fest, dass ich wohl echt Glück gehabt hatte. Selbst die Rippen waren zur Abwechslung mal alle noch fest, also vermutlich nicht gebrochen. Juhu!

Also schnell wieder ab aufs Rad und weiterfahren. Zwar schmerzte die Hüfte ein wenig, aber das lockerte sich im Laufe der Fahrt und hörte später auf. Erst in der Nacht kam der Schmerz wieder, beschränkte sich aber auf die Adduktorensehnen. Deshalb brachte ich das auch nicht mit dem Sturz in Zusammenhang, sondern vermutete den Grund im anderen und ungewohnten Fahrrad.

Der nächste Tag lief recht normal ab, ich machte früh meinen Lauf und hatte tagsüber jede Menge zu tun. Ihr erinnert euch sicherlich, wir hatten den fetten Stromausfall in Berlin und damit Stabslage, bei der auch ich eingebunden war. Schmerzen? Ja, die Adduktorensehnen. Vielleicht auch noch etwas der Unterbauch. Und das Schienbein, wo eine kleine Platzwunde war. Ansonsten war alles mehr oder weniger gut. Immerhin bin ich Schmerzen gewohnt, das ist das Schicksal von Schmerzpatienten.

Mittwoch würde es dann spannend. Nach einer ziemlich unruhigen Nacht, in der ich echt nicht wusste, wohin mit meinen Beinen, wollte ich früh den Lauf starten. Aber jeder Schritt tat weh und ich ahnte schon, was kommt. Und tatsächlich, die ersten Meter waren schon so heftig, dass ich direkt auf dem Gelände blieb und nur die »Pflichtmeile«  zum Streakerhalt machte.

Wieder im Büro kam zu den extremen Gliederschmerzen noch heftiger Schüttelfrost. Kurzerhand beschloss ich, wieder nach Hause zu fahren und zum Arzt zu gehen. Das hatte ich mir wohl bei einer der Lagebesprechungen im vollkommen überfüllten Stabsraum einen Virus eingefangen.

Ich weiß nicht einmal mehr genau, wie ich es nach Hause geschafft habe. Dort legte ich mich direkt hin und schaffte es kaum noch, die Beine mit hochzulegen. Gehen? Ging gar nicht mehr. Und der Schüttelfrost kam von den 39,8° Fieber, die mir mein Thermometer zu ermitteln wusste. Und das alles an einem Mittwoch Anfang Januar. Ärzte hatten entweder zu oder gar noch Urlaub.

Donnerstags schleppte ich mich an Krücken zum Hausarzt. Normal gehen war einfach nicht drin. Und weil inzwischen das Becken mordsmäßig weh tat, hatte ich an der YouTube-Universität nachgefragt und dort erfahren, dass auch Beckenprellungen mit Fieber einhergehen. Diese »Diagnose« wollte meine Hausärztin aber besser durch einen Orthopäden klären lassen. Haha, jetzt finde mal einen!

Mein Glück war jetzt, dass ich im Waldkrankenhaus Chefarztpatient in der Orthopädie bin, und so sollte ich Freitag mit etwas Zeit im Gepäck dort antreten.

Und der Freitag wurde tatsächlich lang. Deshalb hier die Kurzfassung: Nach etlichen Untersuchungen und jeder Menge Strahlung stand fest, dass ich zwar eine alte Beckenringfraktur habe (Whaaaat?) aber vermutlich keine neue. Die Rippen sind ebenfalls heile, da hatte ich also richtig gelegen. Und dann bleibt es bei Beckenprellung und einem dicken, fetten Hämatom im unteren Bauchmuskel. Und genau da liegen die zwei Tage Verzögerung begraben. Das Ding musste sich ja erst einmal in Ruhe bilden.

Inzwischen, 8 Tage später, benötige ich noch immer die Krücken, um überhaupt gehen zu können. Dabei ist es vormittags zumeist relativ gut und zeigt Fortschritte, zum Mittag hin baut es dann wieder ab. Die Prognose sagt, irgendwas zwischen zwei und vier Wochen wird es dauern. Tja, dann muss der nächste Runstreak wohl noch so lange warten …

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